Transparenz oder Druck?
Geplante Veröffentlichung von iKMPLUS-Ergebnissen:
Mehr Transparenz oder mehr Druck?
Der Bundesminister für Bildung, Christoph Wiederkehr, hat angekündigt, dass künftig standortbezogene Ergebnisse der iKMPLUS-Kompetenzmessungen veröffentlicht werden sollen. Bereits ab dem kommenden Schuljahr könnten diese Daten österreichweit zugänglich sein. Ziel dieser Maßnahme ist es, mehr Transparenz im Bildungssystem zu schaffen. Die Ergebnisse sollen dabei nicht isoliert betrachtet werden, sondern im jeweiligen sozioökonomischen Umfeld eingeordnet werden. Schulen würden also mit Standorten verglichen, die unter ähnlichen Rahmenbedingungen arbeiten, um möglichst differenzierte Aussagen zu ermöglichen.
Kritische Einordnung aus Sicht der Personalvertretung
Aus Sicht des CLV-FCG Team Lehr:Kraft wird diese Entwicklung jedoch kritisch gesehen.
Auch wenn die Einordnung nach sozialen Rahmenbedingungen grundsätzlich sinnvoll erscheint, besteht die Gefahr, dass in der Praxis dennoch eine Art Ranking entsteht. Schulen könnten – bewusst oder unbewusst – miteinander verglichen werden, was den Druck auf Standorte, Lehrpersonen und letztlich auch auf Schülerinnen und Schüler weiter erhöht.
Gerade Schulen in herausfordernden Lagen laufen Gefahr, durch veröffentlichte Ergebnisse zusätzlich stigmatisiert zu werden. Anstatt Unterstützung zu erfahren, könnten sie verstärkt unter Rechtfertigungsdruck geraten.
Daten sinnvoll nutzen statt öffentlich vergleichen
Die Ergebnisse der iKMPLUS-Erhebungen liefern wertvolle Einblicke in Lernstände und Entwicklungen. Entscheidend ist jedoch, wie mit diesen Daten umgegangen wird. Aus unserer Sicht sollten die Erkenntnisse gezielt intern genutzt werden:
zur Weiterentwicklung von Unterricht
zur Planung konkreter Fördermaßnahmen
zur Unterstützung von Schulen mit besonderem Bedarf
Eine öffentliche Darstellung bringt hingegen kaum pädagogischen Mehrwert, kann aber den Wettbewerb zwischen Schulen verstärken.
Was Schulen wirklich brauchen
Wenn das Ziel eine nachhaltige Verbesserung des Bildungssystems ist, braucht es vor allem eines: ausreichende Rahmenbedingungen.
Dazu zählen unter anderem:
mehr Personal
kleinere Klassen
gezielte Förderangebote
verlässliche Unterstützungssysteme vor Ort
Nur so können Schulen und Lehrerinnen und Lehrer ihre Arbeit bestmöglich leisten und Schülerinnen und Schüler individuell fördern.
Fazit
Mehr Transparenz ist grundsätzlich ein wichtiges Anliegen. Entscheidend ist jedoch, dass Maßnahmen tatsächlich zur Verbesserung beitragen und nicht zusätzlichen Druck erzeugen.
Als CLV Salzburg und Team Lehr:Kraft - Personalvertretung setzen wir uns dafür ein, dass Daten verantwortungsvoll genutzt werden – und dass der Fokus klar auf Unterstützung und Weiterentwicklung liegt.